Die Erotik der Materie
Wie bei Liz Lorraine ist wohl auch der antike „Pygmalion-Effekt“ verlaufen, als sich der griechische König und Bildhauer Pygmalion in die von ihm gefertigte Figur einer Jungfrau verliebte und Aphrodite anflehte, seine Skulptur zum Leben zu erwecken.
Aus zwei Dingen ein drittes herstellen, aus neun Dingen ein zehntes, ist daher das wesentlichste Kennzeichen am Werk der Bildhauerin Liz Lorraine. Sie geht über die Textur des Materials hinaus, sie will ihren Gebilden aus Draht, Drahtgitter und Alu organisches Leben einhauchen.
Das Modell (zum Brunnen) mit dem Namen „Spinat“ zeigt daher in konzentrierter Weise das mit dem Morphologischen verbundene Farbkonzept, mit dem die Künstlerin arbeitet: Es ist die Fokussierung auf die vegetative Ausstrahlung der formulierten Körperlichkeit, obowohl ihre primär naturalistischen Formen gern ein verfremdendes Kolorit erhalten.
Liz Lorraine steht damit im Gegensatz zur jüngeren Tradition in der Bildhauerei, die in ihrer ersten Phase auf die Umsetzung des Organischen in die Geometrie setzte, dann eine oft kaum mehr trennbare Verbindung der Skulptur mit Landschaft und Architektur einging, wobei die Alleinwirkung des Materials – meist Marmor oder roh gefügtes Eisen – stark betont wurde.
Damit hat Liz Lorraine weniger am Hut, sie verselbständigt vielmehr den geformten Körper, sie lässt ihn sich von seiner natürlichen Umgebung emanzipieren, obwohl er dorthin gehört, sie führt auch das Material woandershin, sie führt es dorthin, wo es nicht mehr in unbedingter Funktion als Schmuckstück oder Monument steht, sondern vielmehr zu einer psychoorganischen Aussage wird.
Die pflanzlichen, tierischen und menschlichen Organe und Organteile, die Lorraine herstellt, werden von ihr in neuen Synthesen zusammengefasst, indem sie etwa den im Einzelnen dargestellten Körperteilen Mehrfachfunktionen gibt, während sie gleichzeitig die Erscheinung der Pflanze, des Tieres oder des Menschen in seiner Gesamtheit abstrahiert.
So ist das Modell „Spinat“ außerordentlich detailreich in seinen Komponenten, gleichzeitig aber verfremdend durch Material und Kolorit, das heißt: Genau so, wie bei ihren anderen Arbeiten geht an dieser Stelle die Skulptur in ihrer gesamten Erscheinung eine Reaktion mit der Psyche des Betrachters ein, die in ihrem Ergebnis nichts Programmatisches mehr enthält sondern ungeachtet der Kombination aus eigentlich kalten Rohstoffen wie Aluminium, Draht und Drahtgitter über eine neue, sinnliche, ja erotische Aura verfügt.
Das Werk Liz Lorraines ist also weniger statisch, wie es sonst die Skulptur oft ist, sondern mehr wie ein durchblutetes, bewegliches Wesen.
Alwin Sargant
Ausstellungen – Gruppen/Einzel
| Oktober 2002 | Museumsquartier Wien, Can-Art |
| 2004-2006 | Künstler in Residence Gusswerk, selbständiger Formenbau und Gießen in Aluminium und Bronze |
| März/April 2006 | Salzburg Roll on Mozart mit 4 Exponaten |
| Mai 2006 | Salzburg, WOW World of Woman |
| August 2006 | Koblenz – Lange Nacht der Museen |
| August 2006 | Gusswerk/Hells Bells |
| Oktober 2006 | Eröffnungsausstellung – Haus der Kreativen mit Karikaturist Thomas Wizany |
| Februar – März 2007 | Art 21 Gallerie, Tulln |
| Juli 2007 | Salzburg WOW, Installation |
| August 2007 | Gusswerk/Hells Bells |
| Juni 2008 | Salzburg WOW |